Ordnung muss sein.

Schwarz-Weiß-Porträt eines Mannes mit dunklem, kurz geschnittenem Haar und Brille, der direkt in die Kamera blickt.
Damian Rupp

Wann ist ein Chef ein Chef?

Mann im dunklen Anzug mit gestreifter Krawatte knöpft sein Sakko vor einer Treppe zu.

Das alte Bild vom großen Chef

Ein Mann, Anzug, teure Uhr, großes Auto und strotzend vor Selbstbewusstsein. Das dürfte das Bild sein, das man vor Augen hat, wenn man vom Prototyp Geschäftsführer spricht. Soweit so gut, denn an all diesen Merkmalen ist ja soweit nichts auszusetzen. Jedes einzelne Merkmal beschreibt eine Eigenschaft, dei man jemandem zuschreibt, der die Verantwortung für viel Geld und viele Menschen trägt: Männlich; immerhin das starke Geschlecht, also was sonst. Anzug; denn wer Großes leistet, muss auch danach aussehen. Teure Uhr; mehr als ein Accessoir, eher ein Statement für das was er bereits erreicht hat. Großes Auto; denn die teure Uhr kann man schnell mal übersehen. Strotzend vor Selbstbewusstsein; eine Aura von Macht und Einfluss, ganz gleich um welche Firma oder welche Produkte es geht.
Das, meine Damen und Herren ist er: Der Über-Chef.
Dieses Bild vom Silberrücken existiert noch heute genau so -wenn auch nicht mehr offen ausgesprochen, dann doch in den Köpfen vieler. Ist das gut oder schlecht, falsch oder richtig? Schauen wir uns an, was einen Chef zum Chef macht -und was nicht.

Wann ist man Chef?

Als erstes stellt sich natürlich die Frage: Was muss ein Mensch mitbringen, damit man ihn Chef nennen kann? Nun, objektiv betrachtet nicht all zu viel: "Chef" ist letztlich nichts anderes als eine Bezeichnung für jemanden, der nicht nur für seine eigene Arbeit, sondern auch für die Arbeit anderer verantwortlich ist. Ob es dabei um einen Teamleiter in der Buchhaltung, oder um einen Konzernvorstand geht, spielt keine Rolle, denn beide werden unter anderem an der Leistung ihres Teams, bzw. ihrer Belegschaft gemessen.
Wer den Chef zum Chef gemacht hat ist auch auf allen Ebenen gleich: Jemand, der in der Hierarchie weiter oben steht. Anders ist es gelagert bei Gründern, die ihr Unternehmen auch selbst leiten, denn da war von Anfang an klar wer das Sagen hat.
Wir halten also fest: Chef ist, wer nicht nur für seine eigene, sondern auch für die Arbeit anderer Lob und Tadel bekommt.

Aber fehlt da nicht noch was?

Richtig, wenn man das so nüchtern sagt, dann hat man das Gefühl, man nimmt dieser Position den Zauber. Und so ist es auch -aber anders als viele denken.
Das was einen Chef zum Chef macht, ist nicht allein seine Einordnung im Organigramm. Und noch viel weniger sind es die Dinge, die das Bild bestimmen, das ich Eingangs vom "Über-Chef" beschrieben hatte. Das sind alles nur Begleiterscheinungen, die von alleine dazukommen können -oder eben auch nicht.
Nein, "Chef" ist nichts was man tut oder wofür man sich bewirbt. In einem -ob dem eigenen oder einem anderen- Unternehmen die Verantwortung für Mitarbeiter zu tragen ist ein Privileg und ein Dienst zugleich. Diejenigen, die das nicht anerkennen, werden es früh genug erfahren, sobald Mitarbeiter rebellieren, kündigen, oder resignieren. Es braucht neben dem Verständnis für das Handwerk des Verantwortlichen selbst auch einige Eigenschaften, die jeder Vorgesetzte braucht um erfolgreich zu sein und die leider nur viel zu wenige haben:
Authentizität
"Ich sage, was ich denke, und ich tue, was ich sage." Diese Satz zeigt einprägsam, worauf es bei der Autnentizität eines Menschen ankommt, nämlich die Einheit des Denkens, Sprechens und Tuns. Andere führen kann nur, wer sich selbs führen kann und das zeigt sich darin, wie sehr wir mit uns selbst im Einvernehmen sind. Wer selbst anders handelt, als er es von seinen Mitarbeitern verlangt, der wird sich schwer tun, sich deren ehrlichen Respekt und damit ihre Loyalität zu verdienen.
Bescheidenheit
Wer gute Leistungen erbringt, darf darauf gerne stolz sein. Als Verantwortlicher oder Vorgesetzter jedoch, ist es weitaus wichtiger, die Erfolge anderer in den Fokus zu rücken. Wer sich ehrlich und ohne Hintergedanken am Erfolg anderer erfreuen und sie sogar dorthin führen kann, der entwickelt eine Form von Charisma, das sein gesamtes Umfeld wahrnimmt und eine positive Atmosphäre schafft. Und das macht letztlich jede Situation besser.
Ehrlichkeit
Kurz gesagt: Wer für sich in Aspruch nimmt, andere führen zu können, der darf nicht lügen. Niemals. Unehrlichkeit ist ein Charakterzug, den Menschen wahrnehmen, noch bevor irgendein Beweis erbracht werden müsste. Menschen fühlen Unehrlichkeit, und wer andere belügt, der belügt immer auch sich selbst -wobei wir wieder bei der Authentizität sind.
Standhaftigkeit
"Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung." Menschen und Organisationen zu führen ist oft herausfordernd und es verlangt einem häufig ab, schwere Entscheidungen zu treffen. Jemand der diese Rolle ausfüllen möchte, der muss in der Lage sein, Entscheidungen zu treffen, sich für sie zu verantworten und zu ihnen zu stehen -ganz gleich ob sie sich als richtig oder falsch erweisen.

Also was ist es nun, was einen Chef ausmacht?

Führen ist eine Dienstleistung für die Menschen für die man die Verantwortung trägt und für das Unternehmen, dem das alles zugutekommt. Wer mit diesem Verständnis auf sich und seine Tätigkeit blickt, der wird schnell merken, dass es nicht auf den Anzug, die Uhr oder das Auto ankommt. Und wer das nicht verstanden hat, der wird es schnell lernen, denn Menschen durchschauen es, wenn jemand sich mit Orden schmückt, die er sich nicht verdient hat. Und wer es soweit kommen lässt, der muss fürchten, seine Autorität und die Loyalität seiner Mannschaft gänzlich zu verlieren.
Also kümmern wir uns lieber darum, zu tun was richtig ist, anstatt zu tun, was nur danach aussieht.