Ordnung muss sein.

Schwarz-Weiß-Porträt eines Mannes mit dunklem, kurz geschnittenem Haar und Brille, der direkt in die Kamera blickt.
Damian Rupp

Was ist der Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz?

Der Grundgedanke

Ich bin beim Kunden und habe eine klare Aufgabe: Abläufe aufnehmen. Also mehrere Tage lang beobachten, dokumentieren, Fragen stellen, interpretieren, veranschaulichen. In der Abteilung Instandhaltung kam mir ein sichtlich erschöpfter Vorarbeiter entgegen, den ich zwar vom Vortag kannte, allerdings war er da noch nicht so erschöpft gewesen. Ich frage: "Ihnen geht es doch gut, oder? Kann ich Ihnen helfen?" Darauf er: "Gestern Nachmittag ist die große Zerspanungsmaschine ausgefallen wegen einer kaputten Steuereinheit. Das Teil ist furchtbar teuer, darum kaufen wir das immer erst, wenn es wirklich benötigt wird; aber dann muss es eben auch schnell gehen. Also bin ich gestern Nacht noch 7h durchgefahren um das das Teil dann heute früh direkt beim LIeferanten abzuholen und dann direkt wieder zurück zum Einbauen." Okay, da darf man müde sein. "Und jetzt läuft die Fräse wieder?" frage ich. "Ja. Aber langsam werd ich für sowas echt zu alt...".
Das brachte mich im Nachhinein zum Überlegen: Was ist denn nun eigentlich effektiv und was ist effizient?

Die Klärung der Begriffe

Dass die beiden Begriffe Effizienz und Effektivität häufig verwechselt werden kann man niemenadem übel nehmen, immerhin haben sie dieselbe Wortherkunft. Beide stammen vom lateinischen Wort "efficere", zu deutsch "etwas hervor bringen" ab. Die Partizip-Form dieses Wortes "effectus" steht allerdings für "etwas bewirkt haben" und mit der Zeit kam die klare Trennung der Begriffe zustande.
Häufig wird der Unterschied so beschrieben: "Effektivität bedeutet, die richtigen Dinge zu tun. Effizienz bedeutet, die Dinge richtig zu tun."
Einfach ausgedrückt bedeutet das, wenn ich erreicht habe, was ich erreichen wollte, dann war ich effektiv. Wenn ich dabei nicht mehr Zeit, Geld oder andere Ressourcen verbraucht habe wie unbedingt notwendig war, dann war ich auch noch effizient. Im Beispiel des Ersatzteils war die Mannschaft der Instandhaltung zweifellos effektiv, denn die Maschine musste lufen und sie lief wieder. Über die Effizienz der Beschaffung dürfte sicher noch ein, zwei mal nachgedacht werden. Denn Wahrscheinlichkeit, dass es irgend wann einmal schief geht, solche Blitzkurier-Fahrten durchzuführen ist relativ hoch. Und dann wird es schnell sehr teuer, oder gar tragisch.
Das bringt einen dann aber direkt zu einer abgeleiteten Frage:

Ist Effektivität eine Voraussetzung für Effizienz?

Könnte man annehmen, ist allerdings nicht der Fall. Es ist sehr wohl möglich, sehr effizient auf ein Ziel hin zu arbeiten, auch wenn der Weg der falsche ist.
Ein Beispiel: Gehen wir davon aus, der Klimawandel lässt sich aufhalten, wenn wir CO2 einsparen. Eine Maßnahme war, den Autoverkehr weniger schmutzig zu machen und darum wurde höchste Ingenieurskunst darauf verwendet, Diesel- und Benzinmotoren so sparsam und trotzdem ausdauernd wie möglich zu machen -eben: effizient. Aber ist es auch effektiv, wenn ein Verbrennungsmotor nicht mehr Kraftstoff verbaucht als notwendig? Oder machen wir es dadurch im besten Fall nur "weniger schlimm" und brauchen andere Konzepte die ganz ohne diese Art Kraftstoff auskommen?
Mal ganz von der Auto-Debatte abgesehen zeigt dieses Beispiel, dass man sehr effizient sein kann, ohne sich dabei allerdings sicher sein zu können, auch wirklich effektiv zu sein.
Oder vereinfacht und so, dass es auch im unternehmerischen Kontext zutrifft: Man kann auch die komplett falschen Dinge so richtig gut machen.